Karlsson vom Dach
Karlsson vom Dach, ein genau richtig dicker Mann in seinen besten Jahren.
Karlsson vom Dach hieß ursprünglich Herr Lilienstängel und war ein kleiner fliegender Mann, der Abends häufig bei Astrids Tochter Karin vorbeischaute. Da er nicht wollte, dass jemand anderes ihn sah, versteckte er sich hinter Bildern. Aus dieser Idee entstand das Märchen Im Land der Dämmerung, das im Radio gesendet wurde. Herr Lilienstängel hatte das Motto ”Spielt keine Rolle, spielt gar keine Rolle im Land der Dämmerung”. Das Buch handelt von dem ans Bett gefesselten Jungen Göran, der nachts mit Herrn Lilienstängel Ausflüge über Stockholm macht.
Herr Lilienstängel kam später in neuer Gestalt zurück, etwas selbstherrlicher und eigenwilliger und mit einem Propeller auf dem Rücken. Der Name wurde von einem Schuhmacher angeregt, Karlsson vom Fass, zu dem die Familie Ericsson immer ging, als Astrid klein war.
Astrid wohnte mit ihrem Mann und den Kindern zehn Jahre in der Vulcanusgatan. Die Dächer, über denen Karlsson seine Runden dreht, sind die des Vasaviertels und des Atlasviertels, auch wenn die Familie Lindgren bereits in die Dalagatan umgezogen war, als die Karlsson-Bücher geschrieben wurden.
Denen, die glaubten, Karlsson vom Dach wäre nur ein Fantasiefreund Lillebrors, entgegnete Astrid: “Stell dir vor, das ist er nicht! Stell dir vor, er wohnt in seinem kleinen Haus auf dem Dach. Das tut er!”
In der ehemaligen Sowjetunion wurde Astrid Lindgren mehr als andere als “Schriftstellerin des Volkes” verehrt. Boris Pankin, der Anfang der 80er Jahre sowjetischer Botschafter in Stockholm war, erzählte ihr, dass es in den meisten sowjetischen Haushalten zwei Bücher gäbe, nämlich die Bibel und Karlsson vom Dach. “Eigenartig”, sagte Astrid Lindgren, “ich hatte ja keine Ahnung, dass die Bibel so beliebt ist.”
