Astrid Lindgren und das Theater
Man kann nicht über Astrid Lindgrens Theaterstücke schreiben, ohne vorher etwas zur Bibliothekarin Elsa Olenius zu sagen. Sie war eine gute Freundin Hans Rabéns, dem Verleger des Buchverlages Rabén und Sjögren, und als Astrid 1944 den zweiten Preis in Rabén & Sjögrens Mädchenbuch-Wettbewerb gewann, saß sie mit in der Jury. Elsa gab Astrid ein paar Tipps, wie sie ihr Mansukript nachbessern könnte und Astrid führte die Änderungen in Windeseile aus. Schon am nächsten Tag übergab sie Elsa die neue Version. Die beiden waren sich auf Anhieb sympathisch und wurden Freunde fürs Leben.
Die Zusammenarbeit mit Vår Teater
Elsa setzte sich in ihrer Arbeit für gute Kinderbücher und gute Kultur für Kinder ein und gründete ein Amateurtheater für Kinder, Vår Teater (Unser Theater). Sie bat Astrid, ein paar speziell auf Kinder zugeschnittene Stücke zu schreiben, die sie für die Theaterarbeit verwenden konnte. 1946 schrieb Astrid das erste Stück, eine Kriminalkomödie in einem Akt. Danach schrieb sie noch weitere Stücke für das Theater, unter anderem über Pippi Langstrumpf und den Meisterdetektiv Kalle Blomquist. ”Elsa hat mich zur Dramatikerin gemacht”, hat Astrid einmal gesagt.
Streichen vielleicht, aber nichts dazu erfinden
Astrids Kinderstücke wurden 1950 erstmals in Buchform herausgegeben. Viele haben sich im Laufe der Jahre an eigenen Inszenierungen von Astrid Lindgrens Büchern versucht. In aufbewahrten Briefen, die Astrid an diverse Regisseure und Drehbuchautoren geschrieben hat, bekommt man ein klares Bild davon, dass sie sehr genau verfolgte, was akzeptabel war und was nicht. Sie schrieb ihre Bücher so, wie sie sie haben wollte, und ihre Stücke schrieb sie so, dass die Bücher sich darin widerspiegelten. Es ging ihr extrem gegen den Strich, wenn andere sich daran versuchten, ihre Geschichten weiterzuentwickeln. ”Man bekommt eine Grundlage, die Fantasie wird angestoßen und man baut weiter darauf auf. Aber das sollte man meiner Meinung nach bleiben lassen. Werft einen Haufen Sachen über Bord, aber fügt nichts hinzu, wodurch sich der Charakter des Buches verändert”. Nachdem sie sich Expertenrat vom Leiter des Stockholmer Kindertheaters eingeholt hatte und sich unzählige Aufführungen ihrer eigenen Stücke angesehen hatte, wusste Astrid, wovon sie sprach. Wer sich nicht an ihre Regeln halten wollte, dem legte sie nahe, das Projekt einzustellen.
Ihre Stücke erfreuen sich nach wie vor überall großer Beliebtheit.
Auch heute noch werden Astrid Lindgrens Stücke in neuen und alten Inszenierungen auf der ganzen Welt gespielt. Etwa 200 verschiedene Theater oder Theatergesellschaften führen jedes Jahr ein Astrid Lindgren-Stück auf. Der mit Abstand beliebteste Charakter ist Pippi. Ronja belegt einen starken zweiten Platz, aber auch Michel ist oft auf der Bühne zu sehen. Am häufigsten werden Astrid Lindgrens Werke in Schweden, Dänemark, Deutschland, Norwegen und Finnland gespielt.