Schule

Ihr großer Bruder Gunnar kam ein Jahr vor Astrid in die Schule, und sie war schon ein wenig neidisch auf ihn, dass er Lesen und Rechnen lernen durfte. Außerdem hatte sie ihren ”spielnächsten” und engsten Spielkameraden verloren. Aber ein Jahr später, 1914, wurde Astrid auch an Vimmerbys Grundschule eingeschult, ungefähr zur gleichen Zeit, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Astrid fand den Schulanfang ziemlich unheimlich und klammerte sich an Mama Hannas Hand. Der Pfarrer rief die Kinder auf, und die Stimmung war so feierlich, dass viele Kinder Angst bekamen und anfingen zu weinen. Auch Astrid brach in Tränen aus, als ihr Name aufgerufen wurde, und bekam die Erlaubnis, sich wieder zu setzen, wenn sie wollte. Aber das wollte sie ganz und gar nicht.

”Plötzlich waren die Tränen verschwunden. Ich hatte den Wall aus Schüchternheit gesprengt und jetzt wollte ich auf jeden Fall bei den anderen bleiben. Unter keinen Umständen wollte ich an meinen Platz zurückkehren. Vor mir stand ein niedliches, schwarzhaariges Mädchen in einem roten Wollkleid. Die wollte ich kennen lernen. Ich begann sie vorsichtig zu stupsen, und dann stupste ich noch mehr. Und noch ein bisschen. Da drehte sie sich plötzlich um und sah mich mit einem so erbosten, strafenden Blick an, dass ich glaubte, im Boden versinken zu müssen. Aber mit der Zeit kamen wir nebeneinander zu sitzen und wurden dicke Freundinnen. Sie hieß Märta”.

Nach drei Jahren an der Volksschule wurde Astrid von Madicken überredet – und mit Papierpuppen bestochen – auf die Realschule zu wechseln. Die Kosten für die Realschule betrugen cirka 30 Kronen pro Schulhalbjahr. Es war längst nicht für alle Kinder eine Selbstverständlichkeit, die weitergehende Schule zu besuchen, aber Samuel August konnte das Schulgeld für Astrid und ihre Geschwister aufbringen. Astrid gefiel es ausnehmend gut auf der Realschule und sie hatte einen hervorragenden Lehrer für Sprachen, Studienrat Tengström, der sie zum Schreiben ermunterte und ihre Aufsätze häufig vor der Klasse vorlas. Als sie dreizehn war, wurde ein Aufsatz von ihr in der Ortszeitung Vimmerby Tidning abgedruckt. Astrid ging sechs Jahre auf die Realschule und machte 1923 ihren Realschulabschluss, im gleichen Jahr, in dem sie auch konfirmiert wurde.

Astrids Zeugnisheft von der VolksschuleAstrids Abschlusszeugnis, als sie mit 16 Jahren die Realschule beendetDeutschunterricht. Astrid, rechts im Bild, hebt den Arm, aus Astrids Sammlung